Es stand mal wieder schlecht um den USV. Ich weiß, was der geneigte Leser jetzt denken wird und er hat recht. Nicht schon wieder. War man bereits in der Vorwoche mit Notbesetzung nach Spremberg gereist, meinte es der Spielplan am zweiten Spieltag ebenfalls schlecht mit den Mannen aus Potsdam. Wittenberg – und damit ebenfalls ein Auswärtsspiel der Kategorie drei. 

Dementsprechend waren nur sechs Spieler einsatzbereit. Die anderen weilten im Urlaub, bei der Familie, im vorübergehenden auswärtsspielbedingten Ruhestand oder waren aus anderen Gründen nicht verfügbar. Da man aber bekanntermaßen nur zu siebt glorreich sein kann, wurde USV 2-Urgestein Georg noch rekrutiert. Dieses an sich clevere Manöver verpuffte aber schon vor dem Einschlagen. Laut Spielordnung dürfen in den ersten beiden Spielen keine Spieler aus unteren Klassen eingesetzt werden, so das regelkundige Schiedsgericht gegenüber den regelunkundigen und verdutzten USV‘lern, was Georg vom potenziellen Matchwinner zum Bankdrücker degradierte.

Sechs Spieler mussten also reichen. Die waren dann auch endlich vollzählig, nachdem das zweite Auto erst zur falschen Halle fuhr, aber dann doch noch den Weg zur Stadthalle fand. Robert durfte zuspielen, obwohl er in den letzten Jahren mehr Söhne zeugte als Spiele im Zuspiel zu machen. Hinzu kamen Bullrich, der 2015 das letzte Mal beim Training war, Burki und Alterspräsident Attila sowie die Neuzugänge Toni Piotrowski und Lukas Wieland. Eine positive Ausgangslage sieht also anders aus. Gegner Wittenberg konnte dagegen mit 12 Spielern personell aus dem Vollen schöpfen. Wer nun dachte, die Aufstellung beim USV ergäbe sich von selbst irrte. Feierbiest und Trainer Falko, der gerüchteweise Teile der Nacht schlafend an gewissen Örtlichkeiten verbrachte, schachzugte rotierend von Satz zu Satz. Bullrich begann außen annehmend, um dann vorübergehend mittelblockend auch noch diagonal zu spielen. Toni und Burki durften ebenfalls ihre Vielseitigkeit beweisen. Entsprechend hatte der USV-Sechser zwei Sätze lang leichte Findungsschwierigkeiten und lief jeweils von Satzbeginn an deutlichen Rückständen hinterher. 25:18 und 25:21 für Wittenberg waren die Konsequenz, wobei der USV nicht schlecht spielte, aber Abstimmungsschwierigkeiten führten immer wieder zu leichten Fehlern und damit Punkten für den dominant auftretenden Gegner.

Das war‘s, dachte der Großteil in der Halle. Aber nun begann die USV-Taktik zu wirken. Nochmalige Umstellung für den vermeintlich letzten Satz und die eingelullten, zu siegessicheren Wittenberger lagen plötzlich hinten. Nicht einmal das sonst so euphorische Publikum in der Halle bemerkte, dass das Spiel zu kippen drohte. Potsdam zeigte Kampfeswillen. Die Annahme stand immer sicherer und vor allem Burki konnte so Punkt um Punkt machen. Fast den gesamten Satz lag Potsdam in Führung. Doch dann drehte Wittenberg mit fünf Punkten in Folge auf und sah nach 22:20 wie der sichere Sieger aus. Doch der USV konterte nervenstark und gewann zur Überraschung aller Anwesenden Satz drei mit 25:23. “Mit dem Satz hatten wir jetzt gar nicht gerechnet“, philosophierte Bullrich beim Seitenwechsel und musste dabei im Kopf schon seine Abendplanung im Oktoberfestzelt umschmeißen. Auch Satz vier begann vielversprechend. Frühe Führung, Wittenberg immer noch orientierungslos, 110% der Pässe auf Burki, dessen Quote schon lange MVP-Niveau erreicht hatte, und nach 13:10 und 21:16 roch es verdächtig nach Tiebreak. Aber Wittenberg konterte unter dankenswerter Beihilfe der Schiedsrichter, die eine Blockberührung nicht sahen. Weitere Punkte folgten. Nur noch 21:20 für den USV, dann 23:22 für Wittenberg. Die ersten beiden Satzbälle kann Potsdam noch abwehren. Nummer drei nutzt Wittenberg per Block zum umjubelten 3:1 Sieg.

Fazit: Wittenberg gewinnt insgesamt verdient und dürfte im weiteren Saisonverlauf eher zum oberen Tabellendrittel gehören. Der USV lieferte ein unter den Umständen mehr als gutes Spiel. Die Neuen im Team machten ihre Sache gut. Dass jedoch mehr drin war, merkte man den enttäuschten USV-Mannen nach dem Abpfiff an. Aber die gute Laune überwog letztendlich doch. Burki muss an seiner Form arbeiten, um die Mannschaft konsequent bis zum Spielende durchschleppen zu können. 35 Punkte sind einfach nicht genug. Folgerichtig wurde Zuspiel-Robert zum wertvollsten Spieler gewählt, der angesichts seines MVP-Geschenke ganz von den Socken war.

Am nächsten Wochenende ist spielfrei. Am 8. Oktober empfängt der USV dann zum ersten Heimspiel der Saison den VfK Südwest Berlin. Alle Fans sind herzlich eingeladen, um den hoffentlich ersten Saisonsieg zu feiern.

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Die Chance, die aus dem Nichts kam
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Ein Kommentar zu „Die Chance, die aus dem Nichts kam

  • 3. Oktober 2016 um 11:51
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    Eine Schlacht allein zu gewinnen, das würde an Wunder grenzen. Wo bleibt der familiäre Gedanke? Für das nächste Spiel alles Gute! Übrigens sind die Einträge sehr interessant und unterhaltsam!!!

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